Blog - Controversy Sells

Trump, der Fuchs? – Brauchen dumme Menschen eine kluge Politik?

TrumpTrump wins. Nachdem nun allgemein der erste Schock darüber verflogen ist, dass das Oval Office zukünftig von einem orange lackierten, rassistisch angehauchten Strohballen-Toupet-Träger mit scheinbar äußerst rudimentär ausgeprägtem Artikulationsvermögen bewohnt wird, bietet sich nun die Gelegenheit, die Situation einmal sachlich und nüchtern zu analysieren (zumindest so sachlich und nüchtern es die Auslegung dieses Blogs und meine eigene körperliche Konstitution hergeben).

 

Mr. „grab em by the pussy“

Witze über den komischen Donald wurden ja schon zu genüge gemacht. Und inzwischen hat man, wenn im Internet über Donald Trump erzählt folgendes Problem: Er ist trotz aller Witze über ihn jetzt der vielleicht mächtigste Mann der Welt. Und man selbst ist trotz aller Witze über ihn ein Mann, der Witze im Internet erzählt.

Darum sei Mr. „grab em by the pussy“ eine kleine kreative Ruhepause in seinem neuen Refugium gegönnt. Der Gatte seiner ehemaligen Konkurrentin hat die Eignung dieses Büros für dahin gehende Aktivitäten ja schon publikumswirksam evaluiert. Ein Spektakel, das die Laune der Dame scheinbar so nachhaltig verstimmt hat, dass sie – wenn sie nicht gerade die Liste der aktiven CIA Undercover-Agenten in ihrem web.de Postfach sucht – noch immer solch ein Quell der Empathie und Lebensfreude ist, dass der gute Donald auch Robbenbabys totschlagen und sich das Blut mit der, von Sklaven im Kindesalter überreichten, Erstausgabe der amerikanischen Verfassung aus dem Gesicht wischen könnte, und trotzdem mehr Sympathiepunkte erhalten würde.

 

Was grenzt an Dummheit? Kanada und Mexiko!

 

Zwei Sorten von Idioten

Statt des einen viel diskutierten Idioten sind doch an sich zwei Gruppen – ebenfalls Idioten – erst einmal viel spannender zu betrachten. Die traurigen Kasper unter den Wählern, welche jemandem die Codes für die Nuklearwaffen beschaffen, dem man die Kontrolle über den eigenen Twitter Kanal entreißen musste. Und die Holzköpfe, die über das Ausmaß dieser Wählerschicht überrascht sind.

Kommen wir zunächst zur zweiten Bagage: Den gebildeten, weltoffenen, sozial engagierten, politisch interessieren Menschen, den vorbildlichen Bürgern, die am Mittwochmorgen alle eine Frage geeint hat: Wie konnte das nur passieren?  Dass sich Menschen diese Frage überhaupt stellen müssen, liegt an einem Phänomen, welches der Psychologe von Welt als „Curse of Knowledge“ bezeichnet. Hierunter wird die zutiefst menschliche Neigung subsumiert, davon auszugehen, dass andere Menschen dasselbe Wissen und dieselben Kompetenzen besitzen würden wie man selbst. In gegebener Ausprägung kann uns dieser Curse of Knowledge bspw. an der Vorstellung hindern, dass Menschen das Wahlversprechen eines Baus einer 3144 Kilometer langen Grenzmauer für ein unterstützenswertes Vorhaben halten. Umso unvorstellbarer für einen solch eine Begeisterung für nero-eske Bauvorhaben, plumpe Beleidigungen oder offenkundigen Rassismus ist, umso überraschter ist man dummerweise darüber, dass sich dafür eine Mehrheit in einer etablierten Industrienation findet. So hat doch schon der Brexit gezeigt, dass die gesamte „Da kreuzen nur ein paar Unzufriedene bei einer Umfrage die provokante Alternative an“-Denkweise mehr als naiv war. Die Zeiten der Provokation sind vorbei, diese Menschen wollen die Welt brennen sehen.

 

Vom Umgang mit der Dummheit

Schon bei meinen Auslassungen zur AfD hatte ich ja darauf hinweisen müssen, dass die unangenehmen und unansehnlichen Repräsentanten dieses Gedankenguts immer nur die sichtbaren Symptome einer tiefer liegenden Erkrankung sind. Und die zutreffendste Diagnose der jeweiligen Wählerschicht lautet: irreversible Dummheit. Wenn wir es, wie aktuell aus den AfD Wahlprognose zu entnehmen ist, mit 20 Prozent Dummheitsanteil an der Bevölkerung zu tun haben, lässt sich das Handhaben. Selbst meine zutiefst ausbaufähigen mathematischen Fähigkeiten erlauben mir die Erkenntnis, dass sich dieser Gruppe eine handlungsfähige Mehrheit entgegensetzen lässt. Was aber, wenn die Dummheit die Überzahl erreicht?

 

„Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm, bei manchen ist das andersrum“

Man kann von Trump nun moralisch halten, was man möchte. Betrachtet man seinen Ansatz, dummen Menschen mittels dummer Sprache eine dumme Politik zu offenbaren, bleibt leider nur die Erkenntnis: Es hat funktioniert. Natürlich bleibt die Frage offen, ob Trump nun kognitiv in der Lage ist, diesen Umstand bewusst zu nutzen oder ob die Dummheit einfach nur ihren lautesten Resonanzkörper zu ihrem einflussreichsten Sprachrohr deklariert hat.

Am Ende ist ihm das gelungen, was jeder Politiker – von Seehofer bis Wagenknecht – anstrebt: den Wähler davon zu überzeugen, dass er für dessen individuelle Probleme die allgemeingültige Lösung parat hält. Wenn hierbei die vermehrt die dümmste Lösung die zahlreichsten Fürsprecher erhält, ist es natürlich Balsam für die Seele, sich in Witze über Hinterwäldler, Waffenfreunde und Chauvinisten zu flüchten. Hinsichtlich der Entwicklung unserer Zivilisation vergeht bei der Prognose, dass jede Vision einer gesellschaftlichen Zukunft zunehmend mit den Trieben und mentalen Verarbeitungskapazitäten eines Schimpansen zu vereinbaren sein muss, selbst mir das Lachen.

 

Sebastian Reek

Gründer, Inhaber und Texter / hat Wirtschaftspsychologie studiert – sogar erfolgreich (M.A.) / auch als Unternehmensberater und Autor unterwegs / begeistert von Strategie, Digitalisierung und dem gekonnt geschriebenen Wort / findet mit Sicherheit auch die richtige Lösung für Ihre Content-Thematik.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.