Atelier

[Atelier] Rezension: Social Business – Von Communities und Collaboration. Social Media auf dem Weg ins Unternehmen.

Unterhaltsamer Überflug mit Weitsicht: Social Business – Von Communities und Collaboration. Social Media auf dem Weg ins Unternehmen. Praxisorientierter Leitfaden.

Der Sammelband „Social Business“, herausgegeben von Annabelle Atchison, Thomas Mickeleit und Carsten Rossi unterteilt sich in 13 thematisch variierende Beiträge verschiedener Autoren und Praktiker aus der Social Business „Szene“. Hierbei werden verschiedene Themencluster diskutiert, welche Fragestellungen wie die Einführung und dauerhafte Integration von Social Media im Unternehmen, innovative Möglichkeiten der virtuellen und interpersonalen Zusammenarbeit sowie neue Möglichkeit der Kundeninteraktion aufzeigen und erläutern. Dabei können die Autoren neben dem nötigen Fachwissen auch auf spannende Projekterfahrungen, bspw. bei Bosch oder der Deutschen Bahn zurückgreifen.

Eine wichtige Kernthematik der Veröffentlichung liegt in der – wenig überraschenden aber oftmals vernachlässigten – Erkenntnis, dass Social Business zwar auf Technologien basiert, aber erst durch (überzeugte und begeisterte) Menschen zum Leben erweckt wird. Dabei gelingt es den verschiedenen Autoren durchwegs, die Thematiken auf greifbare und gleichzeitig unterhaltsame Weise zu vermitteln. Auflockernd eingestreute Querverweise, von Star Wars bis hin zum deutschen Schlager, schaffen spontane Verbindungen zu Gesellschaft und Popkultur, welche auch eher technologiegetriebenen Themen in die Lebenswirklichkeit zurückholen. Dabei bleibt die Sprache in den meisten der Buchbeiträge auch für Laien verständlich, wobei diese vereinzelt doch einen „Second Screen“ zum Nachschlagen eben solcher Fachbegriffe parat halten sollten.

Besonders spannend ist aus meiner Sicht die Diskussion von markanten Stolpersteinen des Social Business, wie den Wechselwirkungen mit der Unternehmenskultur, der wirkungsvollen Umsetzung von Social Media Guidelines oder dem „Messbarmachen“ und Steuern von Resultaten der Social Business Aktivitäten. Hier hat man als Praktiker die Chance, aus Fehlern anderer zu lernen, was zwar nicht immer genauso einprägsam wie das Sammeln eigene Erfahrungen ist, aber im Regelfall deutlich schmerzfreier.

Durch das Themenspektrum wird dem Leser ein breit gefächertes Bild hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten von Ideen und Technologien des Social Business vermittelt. Dies betrifft sowohl die technologische Komponente, vor allem aber auch die gewollten oder auch ungewollten Auswirkungen auf Kommunikation, Zusammenarbeit und Zusammenleben. Dies erfolgt sowohl aus ökonomischer als auch aus psychologischer Perspektive. Zumeist gelingt es den Autorinnen und Autoren dabei, in den Beiträgen eine hilfreiche Verknüpfung von Theorie und Praxis zu schaffen. Manchmal reicht der kurze Umfang der einzelnen Episoden hierfür jedoch nicht aus – und einer spannenden Idee werden entsprechende vertiefende Einblicke oder praktische Umsetzungsmöglichkeiten im Unternehmen verwehrt – was in der Situation ähnlich frustrierend wirken kann, wie der typische „Cliffhanger“ zum Ende der Folge einer spannenden TV-Serie. Teilweise springt hier der darauf folgende Autor mit weiteren Einblicken zur Thematik ein, manchmal verbleiben die Beiträge jedoch als frei stehende „Appetitanreger“. Natürlich können bei der Fülle an Themen nicht alle Aspekte in der Intensität einer spezialisierten Fachpublikation erörtert werden. Wer speziell auf der Suche nach Informationen zu exakt einem Thema ist und partout nicht den kleinsten Blick über den Tellerrand werfen möchten, wird dadurch Teil einer kleinen Gruppe, der ich das Buch nicht empfehlen würde.

Ansonsten bietet das breite Themenspektrum sowohl Social Business Einsteigern als auch erfahrenen Praktikern neue Ideen und wertvolle Praxiserfahrungen. Die Darstellung der verschiedenen Zielsetzungen und Einsatzgebiete zeigt greifbar, dass Social Business weit darüber hinausgeht, bei Facebook ein paar Werbeeinblendungen zu schalten, sondern eine aktive Auseinandersetzung mit dem Unternehmen, seinen Zielen und vor allem seinen Mitarbeitern und deren Zusammenarbeit und Zusammenleben bedarf.

 

Sebastian Reek

Gründer, Inhaber und Texter / hat Wirtschaftspsychologie studiert – sogar erfolgreich (M.A.) / auch als Unternehmensberater und Autor unterwegs / begeistert von Strategie, Digitalisierung und dem gekonnt geschriebenen Wort / findet mit Sicherheit auch die richtige Lösung für Ihre Content-Thematik.