Blog - Controversy Sells

Free Willy in braun – Wo Forschung und Entwicklung noch Spaß machen

Eigentlich gibt es genug Gründe, wieder ein nachdenkliches Essay darüber zu verfassen, was mit der Gesellschaft, der Politik und dem Menschen an sich eigentlich nicht stimmt. Doch diese Texte sind inzwischen so inflationär gegeben, dass nur noch die Frage offenbleibt, wann die erste Prosa-Auseinandersetzung von einer der Intellekts-Koryphäen aus der Schattenwelt des Dschungelcamps erscheint. Doch… Why so serious? Wenn der vielleicht mächtigste Mensch der Welt, bei der aktuellen geopolitischen und gesellschaftlichen Situation, Zeit und Muse dafür findet, per Twitter die Geschäftsbeziehungen der in einer „Design“-Kollektion mündenden Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für sein Töchterchen neu zu ordnen, ist der Planet wahrscheinlich an dem Punkt angekommen, ab welchem wirklich alles (scheiss)egal ist. Hier scheint etwas Ablenkung, fernab jeder kognitiven Hirnaktivität, dringend von Nöten zu sein. Ein Artikel hart an der Grenze, als wäre er einem Trump’schen Dekret zur Einwanderungspolitik entsprungen. Manchmal muss es eben stumpf sein. Und da ist mir dieses herrliche Bild über den Weg gelaufen…

Ökonomie der Darmentleerung
Quelle: http://www.theverge.com/2017/1/17/14306464/japanese-toilet-control-icons-meaning-standard

 

Die Ökonomie der Darmentleerung

Eine Runde seriöser japanischer Herren, erfüllt mit Stolz über ihren Durchbruch in den Standards der Toilettentechnologie. Wobei „Durchbruch“ bei Darmthemen sicherlich ein eher schwieriges Wort ist… Wie auch immer. Also back to the basics – der Ökonomie. Diesmal möchte ich den Menschen einer ganz besonderen Branche einen Beitrag widmen. Denn es ist wichtig, dass man sich, trotz aller aktuellen Probleme, auch mal mit den Individuen auseinandersetzt, die sich tagtäglich mit der Frage beschäftigen (müssen), wie unsere biologischen Hinterlassenschaften den schnellsten Weg in die Weiten des Abwassersystems finden. „Free Willy“ in braun quasi. Würde man der AfD doch nur auch erfolgreich diesen Weg weisen können…

Doch zurück zum Thema. Wer sind diese Menschen, welche sich mit der Entwicklung und Konstruktion von sanitären Einrichtungen beschäftigen, welche im Regelfall nur hinter verschlossenen Türen genutzt werden? Türen, welche man danach am besten noch weiterhin für eine gewisse Zeitdauer verschlossen hält. Ein Thema zu herrlich, um es nicht weiter in die Tiefen seiner gleichzeitig höchst unappetitlichen wie höchst amüsanten Details auszuführen.

 

Most akward moment ever?

Da wäre zunächst einmal die spannende Frage, wie man als unbedarfter junger Mensch in dieses Milieu gerät. Forschung und Entwicklung im Sanitärbereich – Art & Design für Toilettenschüsseln. Wie läuft wohl ein Bewerbungsgespräch für eine offene Stelle in diesem Bereich ab? Wird vom Bewerber eine Grundbegeisterung für diesen spezifischen Themenkomplex erwartet? Und wie kann dieser diese artikulieren, ohne das Bewerbungsgespräch zum „most akward moment ever“ zu machen. Allein schon der Text für das Bewerbungsanschreiben: „Seit meiner Jugend haben mich die menschlichen Verdauungsprozesse und deren Handhabung besonders fasziniert …“. Sigmund Freud hätte seine helle Freude an diesem Kandidatenkreis.

 

Wege gegen braunen Streifen

Besonders interessant wäre es zu wissen, wie die Kommunikation innerhalb dieser Forschungs- & Entwicklungs-Abteilungen abläuft, wenn man dort mit gar unendlichem Esprit und Ideenreichtum versucht, uns den Anblick des mehr oder weniger Verdauten möglichst zu ersparen. Zumindest lässt sich die verbreitete Abkehr vom Toiletten-Typus „Präsentierschüssel“ darauf schließen, dass dies eine verbreitete Zielsetzung der Fäkal-F&E sein könnte.

Versucht man dort mit maximal seriösem, wissenschaftlichen Duktus die Tatsache zu kompensieren, dass man sich hauptberuflich mit Kackhaufen beschäftigt? „Herr Dr. von Schürrhausen, könnten Sie bitte den Fäkalsimulator Liquid 03 bereitstellen, damit wir die Oberflächeneigenschaften der Nanobeschichtung verifizieren können?“ Oder hat sich im Kollegenkreis dort bereits solch eine Gewöhnung und Gleichgültigkeit gegenüber dem ungewöhnlichen Tätigkeitsobjekt eingestellt, dass sich ein jovialer Baustellenslang etabliert hat: „Harry, wirf mal die Gummikacke rüber, ich muss gucken, ob dat jetzt richtig flutscht!“

 

Hauptaufgabe: Scheiße bauen

Stichwort Gummikacke. Die Idee entstammt meiner Hoffnung, dass die Fachmänner und -frauen der Darmentleerung, um hier genderkonform zu bleiben, für ihre Forschungs- und Entwicklungsaufgaben ein möglichst geruchsneutrales Substitut für die Überbleibsel unserer Nahrung zur Verfügung gestellt bekommen. Alles andere würde der Bezeichnung „Scheißjob“ ja ganze neue Extreme verleihen.

Doch wer produziert sowas? Haben Scherzartikelhersteller auch ein „Professional“ Sortiment, für den besonders anspruchsvollen Anwender, der sich nicht mit jedem beliebigen Gummikackhaufen zufrieden gibt? Oder gibt es eigene Unternehmen bzw. Geschäftsbereiche, welche sich rein damit auseinandersetzen, für sämtliche Aggregatzustände der menschlichen Exkremente ein möglichst gefühlsechtes künstliches Substitut zu entwickeln? Sind wir dann tatsächlich bei den Menschen angelangt, bei denen „Scheiße bauen“ als Hauptaufgabe in der Stellenbeschreibung steht? Die also mit „ich habe heute wieder nur Scheiße gebaut“ einen höchst produktiven und erfolgreichen Arbeitstag beschreiben können? Da mischt sich bei mir doch ein kleines bisschen Neid unter das fassungslose Schmunzeln.

Sebastian Reek

Gründer, Inhaber und Texter / hat Wirtschaftspsychologie studiert – sogar erfolgreich (M.A.) / auch als Unternehmensberater und Autor unterwegs / begeistert von Strategie, Digitalisierung und dem gekonnt geschriebenen Wort / findet mit Sicherheit auch die richtige Lösung für Ihre Content-Thematik.

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