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Facebooks Dilemma – Die Geister, die ihr ruft

Der Ruf nach Zensur bei Facebook – war neben der ikonischen Darbietung eines ostdeutschen Antiterror-Kompetenzzentrums – eines der prägenden Medienthemen der vergangenen Wochen. Angeführt vom Justizminister wird von Vielen immer wieder die Forderung laut, Facebook möge doch bitte sicherstellen, dass rassistische oder gewaltverherrlichende Beiträge und Kommentare möglichst schnell wieder gelöscht werden. Vom Social Network fühlen sie sich dabei achtlos hängen gelassen, wie potenzielle Selbstmordattentäter von der sächsischen Justiz. Doch auch wenn man das Maß an Empathie in der bisherigen Öffentlichkeitsarbeit von Facebook diskutieren könnte – die Thematik ist bei Weitem nicht so trivial, wie sie den Kreuzrittern der heilen Welt zunächst scheinen mag.

 

Der Unterschied zwischen Brüsten und Dummheit

Gerne wird hierbei angeführt, dass Facebook doch einen herausragenden Job darin leisten würde, wenn es um die Zensur von weiblichen Brüsten geht. Der dafür nötige Algorithmus muss jedoch nur den wahrscheinlich rudimentärsten biologischen bzw. kognitiven Prozess überhaupt abbilden – die Steuerung der männlichen Pupille. Daraus zu schlussfolgern, dass man auch automatisiert Textblöcke dahin gehend analysieren kann, ob hierin bspw. Menschenrechte verletzt werden. Das ist so, als ob man kritisch hinterfragt, warum der Urmensch nach dem Feuermachen doch nicht gleich auch noch die Brennstoffzelle hätte entwickeln können.

Natürlich ließe sich diesem Problem damit begegnen, wenn Facebook die entsprechende Manpower bereitstellt, um Beiträge durch Menschenhand prüfen zu lassen. Dies wäre theoretisch möglich, birgt in der Praxis jedoch eine ganz neue Gefahr: Schon jetzt wird unter dem Begriff der „Filterbubble“ diskutiert, ob Menschen, die ihre Nachrichten primär aus der eigenen Timeline beziehen, nicht nur einen Ausschnitt aus den Perspektiven und Meinungen auf das Weltgeschehen erhalten und welchen Einfluss Facebook auf diese Selektion hat.

 

Die blaue Meinungspolizei?

Man stelle sich nun vor, die Facebook Mitarbeiter sollen dazu noch entscheiden, welche Beiträge auf keinen Fall ein Publikum bekommen werden sollen. Bei plumpem  Rassismus, der gerne als Argument vorgeschoben wird, ist man sich da als mit durch Anstand und Intelligenz gesegneter Teil der Menschheit noch recht schnell einig, dass man so etwas nicht unbedingt sehen möchte. Auch wenn das Löschen eines Kopp-Verlag-induzierten, sprachlich gewohnt unbeholfenen Hilfeschreis für den deutschen Volkskörper, wie ich es auch schon bei meinen Gedanken zum AfD-Gruselkabinett dargelegt hatte, einmal mehr nur eine Minderung der Symptome, aber nicht der Ursachen wäre.

Aber wie handhabt der offizielle Facebook-„Löschen-Button“-Beauftragte Anfragen, die aus dem jeweils eigenen Weltbild des Empörten resultieren. Wäre für einen Veganer, diesen Titanen des Social Network Meinungs-Jihad, ein von mir gepostetes Bild von einem freudig in Empfang genommenem griechischen Grillteller nicht ähnlich erschreckend, wie ein „Auslender raus aus Doitschland!“. Wie schnell geht eine Meldung an Facebook,  wenn der überzeugte Konservative Lobreden auf den Kommunismus entdeckt? Oder diese Kommunisten eine Werbeanzeige für den Recruting-Segeltörn einer Unternehmensberatung angezeigt bekommen?

 

Facebooks Dilemma

Facebooks Dilemma
janeb13 / Pixabay

Es bedarf weder viel Fantasie noch Menschenkenntnis, um zu erahnen, dass dann gerade die Kandidaten, welche noch gegen das Rassismus-Sodom Facebook krakeelt haben, hier dann die Meinungsdiktatur aus dem Silicon Valley erkennen.

Oder aber: Es wird einfach alles konsequent gelöscht, was nur irgendjemanden stört. In diesem Fall wird unsere Timeline dann zum kontroversenfreien Reinraum, einer Rosamunde Pilcher Version der Realität, die uns zwar sicherlich nicht mehr stört oder provoziert, wahrscheinlich aber auch völlig kalt lässt.

Also stellt sich doch die Frage, was nun die bessere Alternative darstellt: Damit zu leben, dass es, solange es intelligenzressistente Rassisten auf unserem Planeten gibt, eben auch die dazugehörigen Fremdscham-Ergüsse in den Kommentarspalten zu finden sind. Oder möchten wir lieber eine autark entscheidende Meinungs-Polizei auf einer globalen Austauschplattform bzw. ein „Löschbutton Massaker“, in dem selbst das Video eines Katzenbabys dem einen Denunzianten zum Opfer fällt, der in der Aufnahme die Persönlichkeitsrechte des Vierbeiners gefährdet sieht? Ich denke mit etwas nachdenken, wie so oft ein recht hilfreicher Weg bei der Meinungsfindung, ist die Antwort darauf naheliegend.

 

 

 

 

 

 

Sebastian Reek

Gründer, Inhaber und Texter / hat Wirtschaftspsychologie studiert – sogar erfolgreich (M.A.) / auch als Unternehmensberater und Autor unterwegs / begeistert von Strategie, Digitalisierung und dem gekonnt geschriebenen Wort / findet mit Sicherheit auch die richtige Lösung für Ihre Content-Thematik.

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