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Alternative für Dummheit – Von Symptomen und Ursachen

dummheitDer „Super Wahlsonntag“

 

Nach dem gestrigen „Super Wahlsonntag“ ist das Entsetzen in der Bundesrepublik groß. Konnte man die Alternative für Deutschland bis jetzt noch als Randgruppen-Phänomen für ewig-gestrige Nationalisten und tollwutgetriebene Wutbürger abtun, konnte dieser Wanderzirkus der Unmenschlichkeit nun durchgehend zweistellige Wahlerfolge erzielen. In Sachsen-Anhalt konnten sich sogar über 20 % der zur Wahlurne gereisten Mitbürger für Rassenhass und Stacheldraht begeistern. Natürlich ließen die ersten Reaktionen nicht lange auf sich warten, welche vehement darauf hinweisen, dass man die AfD nun Ernst nehmen müsse, die etablierten Parteien inhaltliche Lösungen anbieten müssen, man die AfD-Wähler nicht ausschließen darf und den ganzen Rest der Leier.

Die Frage ist nur: Warum? Zeigt dieses Wahlergebnis nicht lediglich eine Wahrheit auf, welche recht Vielen bewusst ist, aber welche sich nur recht Wenige auszusprechen trauen: ein gewisser Anteil der Menschheit – und damit zwangsläufig auch der Deutschen – ist leider dumm. Dumm genug die Katze in der Mikrowelle zu trocknen, dumm genug die Pizza samt Folie in den Ofen zu schieben oder eben dumm genug, um das Wahlkreuz bei der AfD zu setzen. Da kann man jetzt natürlich nach besten humanistischen Gewissen nach dem Gegenmittel suchen, oder sich eben mit dem Gedanken anfreunden, dass es angesichts der Lage unseres Planeten vielleicht nicht die hilfreichste Investition von Zeit und Kraft ist, dem Idioten die Idiotie auszutreiben.

 

Einfache Lösungen für einfache Gemüter

Denn das Problem dabei ist leider: Bei einfachen Gemütern rennt man mit adäquat einfachen Lösungen immer offene Türen ein. Der große Vorteil der Alternative für Deutschland liegt dabei darin, dass ihr zumeist im präpubertären Stadium stagnierendes Wahlvolk nicht einmal auf die Idee kommen könnte, die theoretische Umsetzbarkeit dieser Holzhammer-Politik zu hinterfragen. Für Abseits des Wahnsinns agierender Politiker finden sich hier überhaupt keine Ansatzpunkte: Die eigene sachliche Argumentation wird von diesem Klientel doch sowieso, gestärkt vom Lagerdenken und Kopp-Verlag’schen Verschwörungstheorien, als Konstrukt von Systemparteien und Lügenpresse abgetan. Und wer sich in die Untiefen von idiotenkonformen Nationallösungen begibt – welche in einer Didaktik vermittelt werden müssen, welche das Publikum der „Sendung mit der Maus“ klar unterfordern würde – verliert mit Sicherheit seine der Demokratie und Menschenwürde verpflichtete Wählerschaft.

Zudem: Wenn jemand, der seinen Arbeitsplatz – den er eigentlich nie haben wollte – vom bösen Flüchtling gefährdet sieht, und daher einen Schießbefehl an der Grenze als angemessene Lösung erachtet – wo soll bei solchen Subjekten überhaupt noch eine inhaltliche Diskussion ansetzen?

 

Über den Umgang mit der Dummheit

Auch wenn man die AfD dabei gerne als generelles Feindbild stilisiert, bleibt sie doch ein Symptom dieser Dummheit, nicht ihre Ursache. Die bedauernswerte Zielgruppe entdeckte ihren Egoismus, ihren Rassismus und ihren fehlgeleiteten Patriotismus doch nicht erst mit dem Emporkommen der handelnden Unmenschen dieser „Alternative“. Vielmehr haben sie endlich ein Sprachrohr gefunden, welches ihre niederen Triebe in einer Art und Weise artikuliert, welche zumindest keinen unmittelbaren Einsatz des Verfassungsschutzes hervorruft. Wenn eine von Storch in Interviews dann Niederungen der menschlichen Existenz betritt, welche noch tiefer hängen als die Tränensäcke der Geräuschquelle, bleibt dies doch der ekelerregende Ausfluss der sichtbaren Eiterbeule unserer Gesellschaft, jedoch nicht der eigentliche Infekt. Und auch wenn die Fratzen, welche einen von den AfD Wahlplakaten grenzdebil anstarren, oftmals den Eindruck erwecken, als könne man sich allein durch ein zu langes Betrachten mit der Dummheit infizieren, bleiben sie doch nur politische Repräsentanten der Idioten in unserer Mitte, welche wir als aufgeklärte, emphatische Menschen gerne negieren.

Deutschland hatte bisher eher noch Glück, dass die Parolen von NPD und Konsorten so derart hohl und stumpf waren, dass sich selbst der jetzt für Petry und Gefolge zur Wahlurne marschierende Bodensatz vielleicht ein klein wenig dafür geschämt hat. Zeigen doch Beispiele wie die USA mit ihrem marodierenden Milliardärs-Toupet, dass der Idiotenanteil an der Bevölkerung noch deutlich höher ausfallen kann. Natürlich sind unsere Politiker jetzt entsetzt darüber, die entsandten Gruselkabinette der AfD mit im Plenarsaal sitzen zu haben. Doch nüchtern betrachtet teilen sie nun nur das Schicksal fast aller Menschen: Sie müssen sich täglich mit elendigen Idioten auseinandersetzen.

 

Wirkliche Alternativen

Von daher sind all die Pointen über die AfD zwar höchst verdient und oftmals maximal amüsant, bleiben jedoch immer Humor von Leuten mit Herz und Verstand für ihresgleichen. Die Dummheit bleibt davon untangiert, wird vielleicht sogar in ihrem Irrsinn verstärkt. Was sicherlich kein Grund dafür ist, ihr in irgendeiner Weise – sei es nun inhaltlich oder humoristisch – behutsamer entgegenzutreten. Und Aktionen wie „Zwei Kreuze für Deutschland“ oder die Aufrufe an Rechtsaußen, die Wahlzettel zur Prävention von Manipulationen doch bitte zu unterzeichnen, sind natürlich gleichsam lustig wie nützlich.

Trotzdem bleibt die Frage offen, ob es wirklich das primäre Anliegen von Gesellschaft und Politik werden darf, eine argumentative Plattform mit Menschen zu suchen, welche das Schießen auf aus Kriegsgebieten flüchtende Kinder als unterstützenswertes Anliegen erachten. Unser aller Zeit ist leider begrenzt und da ist es nur naheliegend, den Repräsentanten und Unterstützern des politischen Hirntods in diesen Fragen etwas von der pragmatischen Gleichgültigkeit entgegenzubringen, welche sie gegenüber den Ärmsten und Schwächsten zeigen.

Denn andere Probleme gibt es zuhauf: Beispielsweise die Frage, wie man die Zukunft einer Europäischen „Union“ gestaltet, in welcher eine ganze Reihe Mitglieder Subventionen und politische Unterstützung zwar mit offenen Armen empfangen, anschließend der zu übernehmenden Verantwortung im Rahmen der Mitgliedschaft jedoch mit Mauern und Stacheldraht begegnen. Oder welche Möglichkeiten es gibt, anderen Erdteilen zumindest so viel Sicherheit und Menschenwürdigkeit zu ermöglichen, dass dort das primäre Lebensziel der Menschen nicht mehr darin liegen muss, ihre Heimat unter der Gefährdung von Leib und Leben zu verlassen. Wenn hierfür hilfreiche Antworten gefunden wurden, kann vielleicht wieder die Frage in den Mittelpunkt rücken, ob wir den Dummheits-Koeffizienten in unseren Reihen wieder in niedrigere Regionen bewegen können.

Sebastian Reek

Gründer, Inhaber und Texter / hat Wirtschaftspsychologie studiert – sogar erfolgreich (M.A.) / auch als Unternehmensberater und Autor unterwegs / begeistert von Strategie, Digitalisierung und dem gekonnt geschriebenen Wort / findet mit Sicherheit auch die richtige Lösung für Ihre Content-Thematik.

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